Staatsfeind Israel SWR2 2. 10. 2020

Staatsfeind Israel – Antisemitismus in der DDR

Die DDR gilt noch heute als „antifaschistischer Staat“. Ihr Gründungsmythos versprach eine Gesellschaft, die die nationalsozialistische Herrschaft überwand, indem sie den Kapitalismus im Osten abschaffte.
Während in der DDR die Helden des kommunistischen Widerstands verehrt wurden, wollte sich kaum jemand mit den Tätern und den Taten der Judenvernichtung auseinandersetzen. Als „Sieger der Geschichte“ wähnte man sich befreit von Schuld und Verantwortung. Und mehr noch: Der Staat Israel wurde ab 1965 von der DDR-Regierung und ihren Partnern im Nahen Osten sogar gezielt bekämpft. (Text SWR)

Sendung am Fr, 2.10.2020 8:30 Uhr, SWR2 Wissen
Mit Tönen (in der Reihenfolge des Auftrittes) von Walter Ulbricht, Moshe Dayan, *Rolf W. Schloss, Thomas Ahbe, Gideon Rafael, Anja Thiele, Jeffrey Herf, Thomas Haury

Audio; dort auch das Sendemanuskript

Eine Quellen-/Literaturliste hier bald
*Rolf W. Schloss war 1967 ARD-Korrespondent in Tel Aviv

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Persönliches zum Thema

DDR-Kommunisten auf der Allenby St
Nachdenken über Spätwirkungen des Israel-Hasses in der DDR

Befehl Nr. 798 an die Juden in Tel Aviv:
Das Stadtgebiet von Tel Aviv wird mit sofortiger Wirkung formell ins Staatsgebiet der Vereinigten Arabischen Republik  eingegliedert. Alle Juden im Gebiet des Ägyptischen Gebietes Palästina benötigen ab sofort eine schriftliche Genehmigung zur Ausreise. Die frühere Allenby Straße wird in Allee des 5. Juni umbenannt.  Wirkung von heute an. General-Gouverneur Munam Abdul Husaini


Eine alternative Geschichte aus dem Sommer 1967.  So ist es nicht passiert. Die früheren Newsweek-Autoren Richard Z. Chesnoff, Edward Klein und Robert Littell beschreiben in ihrem Buch „If Israel Lost the War“ (New York, 1969) den Sommer 1967, als hätte Israel den 6-Tage-Krieg verloren. 
Hat es aber nicht.  Israel siegte im 6-Tage-Krieg.

Pikant ist an dieser alternativen Geschichte:  Die DDR, der Verbündete der Vereinigen Arabischen Republik, wird im Buch von den arabischen Eroberern auserkoren, die Umgestaltung der Landwirtschaft im ehemaligen Israel hin zu sozialistischen Produktionsgenossenschaften zu bewerkstelligen.
 
Junge deutsche Kommunisten wären dann mit Feiereifer und Bau, auf! – Liedern ans Werk gegangen. Sie hätten wieder Wohnungen von Juden, diesmal in Tel Aviv bezogen, hätten deren Hausrat unter sich aufteilt.  So wie 30 Jahre zuvor ihre Eltern und Großeltern im Deutschen Reich.

Es ist so nicht passiert. Doch niemand hätte 1967 die DDR-Aufbauhelfer von diesem Projekt abgehalten. Das „Neue Deutschland“ und die NBI, die aktuelle kamera, alle hätten berichtet.  Die junge kommunistische DDR-Aufbaugeneration hätte ihre Helden an der nahöstlichen Arbeitsfront gefeiert.  Als einen Teil der weltweiten, progressiven Bewegung, die Imperialismus und Kolonialismus trotzte. Linke im Westen, selbst einige kommunistische Juden in der DDR hätten wohl nicht dagegen protestiert.

Die Juden in Tel Aviv hingegen, wenn sie denn Glück gehabt hätten, wären wieder in alle Welt verteilt worden. Aber es ist so nicht passiert.  Sehr zum Ärger der DDR-Führung.

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Walter Ulbricht: Leipziger Rede am 15. Juni 1967
















„Wenn es nach uns … gegangen wäre…“ erklärte Walter Ulbricht am 15. Juni 1967 in einer Rede seinen begeisterten Anhängern in der Leipziger Messehalle 2, dann hätte es keinen 6-Tage-Krieg gegeben. Dabei hatten die sozialistischen Staaten gemeinsam eine zügellose Aufrüstung allein der ägyptischen Armee seit 1965 betrieben, die ihrerseits und jederzeit bereit war, die Gründung des Staates Israel mit Mord und Vertreibung rückgängig zu machen. [Armin Wagner, Walter Ulbricht und die geheime Sicherheitspolitik der SED, Berlin 2002, S, 473-505]

Dazu ist es nicht gekommen. Doch die Friedenserzählung Walter Ulbrichts in Sachen Israel war in der Welt. Also die vom Sozialismus der DDR und der Sowjetunion als vermeintliche Garanten des Friedens.  Und das wurde weiterzählt, über Jahrzehnte unverändert in der DDR. Bis heute hört man bei Linken vom „Friedensstaat DDR“ und dass die „Linke verspricht, Friedenspartei zu bleiben“ (Neues Deutschland, 2. 9. 2020).  Die in höchstem Maße militaristische DDR, Waffenexporte der DDR in Kriegsgebiete bis hin zur heutigen Unterstützung „kämpfender Kommunisten“ im Krieg Russlands in der Ukraine (Rosa Luxemburg Konferenz 2016) lassen zumindest Zweifel an dieser verlautbarten Friedenspolitik aufkommen.   

Und auch nach 1967 lebten Ulbricht und Westlinke nicht auf verschiedenen Planeten. Sie waren Zeitgenossen. Sie waren Kampfgenossen. Sie agierten gemeinsam mit ihren späteren PLO Outlets in Ost und West.  
Ein Beispiel: Die Publikationen Palästina Dokumentation Nr. 3.: Zionismus und Rassismus (Herausgeber Liga der Arabischen Staaten, Bonn 1975) und Palästina und der Zionismus (Herausgeber Solidaritätskomitee der DDR, Berlin 1983) machen sich nicht einmal die Mühe, ihre gemeinsame Herkunft zu verschleiern.  
Bis heute ist es ein Tabu, vom Einfluss der DDR-Wissenschaft auf die Westlinke zu sprechen. Man habe, so der zumeist empörte Ausruf, bereits vor 1989 überzeugend widerlegt, dass die Einflussnahme der DDR auf die Westlinke, insbesondere die des Ministeriums für Staatssicherheit nur kranken Hirnen ewig-gestriger Antikommunisten entsprungen sein könne.
[Wolfgang Wippermann, Heilige Hetzjagd. Eine Ideologiegeschichte des Antikommunismus, Berlin 2012]
Und tatsächlich gibt es nur wenige Versuche, diese Einflussnahme substanziell zu belegen.
Ganz sicher in der West-Friedensbewegung in Gestalt von linken Vorfeldorganisationen bis zum MfS-Konstrukt der „Generale für den Frieden“, bei der Weitergabe von Stasi-erobertem Material bis hin zum Text des SDI-Vertrages der Bundesrepublik mit den USA.
[Siehe Maruhn/Wilke; De verführte Friedensbewegung. Der Einfluss des Ostens auf die Nachrüstungsdebatte, München 2002]
Und eben bei der Einwanderung des Israel-Hasses in die linken Bewegungen im Westen, ließen sich evtl. die erfolgreichen Einflussnahmen belegen. Es wäre zu wünschen, wenn diese Belege künftig verstärkt gesucht würden.

Sicher ist, die Publikationen der DDR-Orientforschung mit ihren antisemitischen Hasstiraden gegen Israel sind 1989 nicht plötzlich abgetaucht, verschwunden. Im Gegenteil.   
Martin Robbe (Jg. 1932) war in der DDR zuletzt stellv. Leiter des Instituts für Allgemeine Geschichte an der Akademie der Wissenschaften und Autor zahlreicher Bücher zu Israel.
Die Bücher waren gefüllt mit Hass auf Israel und geprägt von einer wendigen Rechtsfertigung des Terrors der PLO.  
Bis heute stehen die Bücher von Martin Robbe in Universitätsbibliotheken in der Bundesrepublik (Ost und West).

Bücher Autor: Martin Robbe, CAU Universitätsbibliothek Kiel 2020


Und so kann der Israel-Hass der DDR historisch nicht hinreichend gebildeten junge Studenten im heutigen Westen erreichen.
Man stelle sich junge Studenten vor, in deren Abiturausbildung weder die DDR noch die Sowjetunion oder gar die Geschichte Israels wesentlich vorkamen. Man stelle sich vor, diese Studenten lesen Martin Robbes Buch „Scheidewege in Nahost“ (Militärverlag der DDR, 1982): [Universitätsbibliothek Tübingen Signatur: 28 A 2025; Universitätsbibliothek Kiel Ak 8674+002]

 Israel übernahm erneut die Funktion, „Speerspitze“ des Imperialismus in Nahost zu sein. Die Israelis waren darangegangen – das ordnete sich ihrer aggressiven Politik ein, aus dem Oberlauf des Jordan, vor seinem Eintritt in jordanisches Gebiet, Wasser zu entnehmen und nach Südisrael zu leiten.

Und dann folgen seitenweise Erklärungen, die Israel im Lichte der DDR-Erzählung darstellen, als das Böse, die arabischen Nachbarn als das Gute im antiimperialistischen Kampf.  
Im ganzen Buch gibt es kein Wort zur deutschen  Judenvernichtung oder zum Holocaust als Urgrund der Gründung des Staates Israel, statt dessen DDR-Faschismus-Sprech in Reinkultur:

Die Faschisten hatten mit dem zweiten Weltkrieg die bis dahin größte Katastrophe für die Menschheit heraufbeschworen. Die Statistiken bestätigen dies: 50 Millionen Tote hatte der Krieg gefordert, darunter 20 Millionen Sowjetbürger. Die Juden hatten eine erschütternde Bilanz zu ziehen. Ungefähr 6 Millionen von ihnen, etwa ein Drittel aller Juden in der Welt, hatten den Tod gefunden.  (S. 114)

Von „Imperialismus“ hatten diese Studenten in den üblichen Vorlesungen zu Postkolonialen Theorien bereits gehört.  Dort auch von den Ideen eines der Begründer Postkolonialer Theorien, dem (zeitweiligen) Funktionär palästinensischer Terrororganisationen, Edward W. Said (1935-2003).  Dort hörten sie evtl. auch vom angeblichen Kolonialstaat Israel.
[Siehe kritisch dazu Meron Mendel/Tom David Uhlig, Challenging Postcolonial : antisemitismuskritische Perspektiven auf postkoloniale Theorie, 2017]

Und diese Studenten hatten mutmaßlich nie zuvor von Lenins Schrift
(1916) Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus gehört, noch hatte sie von der Kanonisierung Leninscher Schriften zu kolonialen Fragen in der DDR erfahren.

Dabei ist genau diese Kanonisierung Lenins das theoretische Rüstzeug des DDR-Autors Martin Robbe zur Beurteilung Israels. Indem er Lenin zitiert, dass „die gegenseitigen Beziehungen der Völker“ nur als „Kampf einer kleinen Gruppe imperialistischer Nationen gegen die Sowjetbewegungen“ (Lenin, 1920) zu verstehen ist.  Lenin wörtlich im Text von Robbe: „Wenn wir das außeracht lassen, dann werden außerstande sein, auch nur eine einzige nationale oder koloniale Frage richtig zu stellen, selbst wenn es sich um den entlegensten Winkel der Welt handelt.“ (Robbe, 1982, S. 161; zitiert aus Lenin Werke, Bd. 31, S. 229)
Für die DDR-Orientwissenschaft der 1980er Jahre war Lenin nicht irgendeine Position dieses oder jenes Autors. Lenin gehörte (nach damaligem Wortsinn) zu den Klassikern des Marxismus-Leninismus;  jeder Satz Lenins war somit wissenschaftliche Wahrheit. Im Idealfall wurde die Wahrheit des Klassikers mit Beispielen aus den aktuellen Begebenheiten belegt. Das brachte Beifall innerhalb der Glaubensgemeinde ein.
Und so folgerte Martin Robbe nur wenige Zeilen später:
„Der Befreiungskampf der Araber, der die Unterstützung anderer revolutionärer Kräfte, vor allem der sozialistischen Staaten hatte und hat, wurde in der zionistischen Politik, hinter der imperialistische Mächte standen und stehen, mit dem Versuch konfrontiert, die alten Verhältnisse der sozialen und nationalen Ausbeutung und Unterdrückung aufrechtzuerhalten.“

Von all diesen Strukturen von DDR-Wissenschaft, davon ahnt unser angenommener Student nichts. Sie/er nimmt es als normalen Text.
Damit könnte die DDR-Idee Martin Robbes vom angeblich „antikolonialen Befreiungskampf der Palästinenser“, Jahrzehnte nach 1989, wieder in Hirne und Herzen dieser Studierenden einsickern.  Für ideologischen Nachschub, für die immer wieder aufgewärmten antisemitischen Klischees, wäre wieder einmal gesorgt.  

Auch wenn der von Chesnoff/Klein/Littell beschriebene Alptraum einer arabischen Eroberung Tel Avivs im Sommer 1967 nur im Buch stattgefunden hatte. 

Allenby St Ecke King George St Bild: Michael Hänel, November 2019

Alexander Solschenizyn und sein Archipel Gulag, SWR2, 6. Dezember 2018

28 Minuten Radio für das lange Leben des Alexander Solschenizyn

Audio (ARD mediathek) hier. Zusätzlich die von den Online-Kollegen gestaltete Seite zur Sendung (dort auch Manuskript als pdf und Hörzugang).

Unbeachtet bleiben das Spätwerk Solschenizyns mit seiner weitreichenden Liechtensteiner Rede (1993) und seine fortwährende Fehlinterpretation jüdischen Lebens und jüdisch-sowjetischer Geschichte, die einer eigenen Sendung bedürfen.
Sonja Margolina 2002, Sabine Adler 2003 und kürzlich die Bamberger Historikerin Elisa Kriza sprechen für mich zurecht von Antisemitismus im Werk Solschenizyns.

Solschenizyn SWR

1918 (1974) 2018
Zum 100. Geburtstag von Alexander Solschenizyn

Wir lassen, schlage ich vor, so Martin Walser im SPIEGEL (07/1974 S. 120), Tafeln herstellen, die das Bild Solschenizyns zeigen, und stellen sie auf möglichst vielen öffentlichen Plätzen auf…Des weiteren schlage ich vor, dass jeder, der vorbeigeht, den Hut bzw. die Kopfbedeckung abnimmt oder doch wenigstens berührt.

Mit anderen Worten: er, der erklärt-linke Schriftsteller lasse sich auch von einem Günter Grass nicht nötigen, Solschenizyn zu würdigen. Grass hatte, Tage zuvor im Februar 1974 bei kommunistisch orientierten Kollegen bemängelt, dass von denen „kein Wort für Solschenizyn“ komme.

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Der im Westen bis heute, wohl nicht zuletzt aufgrund seiner linken Verortung, verehrte Schriftsteller Walser hat sich, soweit bekannt, zu Walser und Solschenizyn auch nach 1989 nicht mehr geäußert. [siehe ausführlich zu Grass und Solschenizyn:  Martin Walser. Leben und Schreiben. Tagebücher 1974-1978, Rowohlt, 2012, S. 12ff]
Schon unappetitlich 1974. Bedenkt man allein, dass Walser 1945 Soldat der deutschen Wehrmacht war. Solschenizyn hingegen hatte drei Jahre lang, fast ununterbrochen, zuletzt als Artillerieoffizier in der 48. Armee/2. Belorussische Front im Feuerhagel der deutschen Wehrmacht kämpfend zum Sieg über die nationalsozialistischen Machthaber und ihre Invasionsarmee beigetragen.

Bis zu seiner Verhaftung durch das NKWD am 8. Februar 1945, verurteilt wegen Kritik an Stalin am 7. Juli 1945 zu acht Jahren Lagerhaft.
Walser dagegen machte 1946 in Lindau am Bodensee Abitur, arbeitete für ARD-Sender im Südwesten, promovierte 1951 in Tübingen über Franz Kafka und entdeckte recht bald seine anhaltende Vorliebe für kommunistische Ideen.

Der FAZ-Journalist Rainer Hank (Links, wo das Herz schlägt, S. 45f) schreibt 2015 in der Rückschau auf seine eigenen linken Verwindungen: Natürlich ignoriert auch Walser die Erfahrungen von Solschenizyn. Mehr noch, er macht sich darüber lustig, dass ein Teil der deutschen Öffentlichkeit von den Beschreibungen des Gulag schockiert wurde und nicht nur Heinrich Böll, der Solschenizyn Asyl bot, sondern auch Günter Grass sich solidarisch zeigten.

Es ist nicht überliefert, wie viele Sektkorken im Feiern dieser stramme Haltung Walsers gegen Solschenizyn in westdeutschen, linken Studentengruppen flogen. Die westlich-linken Reaktionen auf Solschenizyn unterschieden sich nur wenig von den ideologischen Abwertungen, die in Moskau oder Ostberlin verfasst worden waren. (Rote Blätter – Organ des Marxistischen Studentenbundes Spartakus, Nr. 16, Februar 1974, Solschenizyns stärkstes Stück: Die menschenfeindlichen Lügen im ‚Archipel GULAG‘)

Am 13. Februar 1974 wurde Solschenizyn aus der Sowjetunion ausgebürgert. Zu deutlich seine Kritik am sozialistischen Lagersystem.  Zu kompromisslos sein Kampf gegen das kommunistische Narrativ: wir sind die Progressiven. Wir haben die Ausbeutung des Menschen beseitigt. Wir bauen die lichte Zukunft des Sozialismus auf. Also sagen wir, was gute Literatur ist und was unsere Bevölkerung lesen darf, wofür sie reif ist zu lesen.
Jeder, auch der noch so talentierte Schriftsteller, der sich gegen unser Zukunftsprojekt wendet, könne nur geisteskrank, vom Westen gekauft oder gar Agent des Westens sein.
Das galt auch für das DDR-Kulturministerium und sein Fenster zur Welt, den Ostberliner Verlag Volk und Welt. Der hatte es folgerichtig abgelehnt, die Novelle „Ein Tag des Iwan Denisowitsch / Один день Ивана Денисовича (später unter dem Titel „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“) zu drucken.
Die Lektorin schrieb in einem Gutachten 1962: Werden unsere Leser stark genug sein, um die geschilderten Abweichungen von der sozialistischen Gesetzlichkeit unter Stalin und die Konsequenzen daraus in der Gegenwart richtig zu verstehen?  Man solle später eine Übersetzung/Veröffentlichung prüfen. Parteichef Ulbricht unterband eine Veröffentlichung.   Der 2018 verstorbene DDR-Slawist und Übersetzer Fritz Mierau schämte sich für diesen un-kulturellen Fehler in einem verschollenen Artikel im Jahr 1991.
Die DDR-Kulturpolitik setzte bewußt auf die Verdammung Solschenizyns, ungebrochen auch während der Zeit der sowjetischen Perestroika.
Der Unterhaltungsautor Harry Thürk durfte Der Gaukler schreiben. Am Rande Moskaus, in einer komfortablen Datscha, sitzt Ignat Isaakowitsch Wetrow. Er selbst bezeichnet sich als Wahrheitsverkünder. Zeitungen westlicher Länder nennen ihn Dichter.  Das Buch, in der DDR in hoher Auflage ab 1978 gedruckt, beschreibt Alexander Solschenizyn als CIA-Agenten. Der antisemitische Zungenschlag (Isaakowitsch) war Kalkül.

Dabei bleibt es fraglich, ob sich an den einst gemeißelten Positionen pro/contra Solschenizyn über die dann folgenden 40 Jahre wirklich etwas verändert hat.
Bereits 1999 schrieb Ulrike Ackermann (später Sündenfall der Intellektuellen, 2000)
Das Erscheinen von Alexander Solschenizyns ‘Archipel Gulag’, sein Werk über die sowjetischen Lager, löste bei deutschen Intellektuellen kaum einen öffentlich wahrnehmbaren Schock aus, noch sorgte es für ein Erdbeben in den bestehenden politisch-intellektuellen ‘Lagern’. Anstelle eines Bruchs waltete hierzulande eher eine Kontinuität, deren traditionsreiche Denkfiguren wie der ‘Anti-Antikommunismus’ bestimmten weiterhin den Diskurs. Selbst der reale Zusammenbruch des Kommunismus 1989 und der Fall der Mauer zeitigten nur zögerliche Folgen im linksliberalen Milieu; die Stabilität der deutschen Gesinnungslager blieb – weitgehend – gewahrt.

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Dabei wäre ein Widerstand gegen Solschenizyn im Westen Deutschlands verstehbar, der sich gegen einen einfachen Vergleich der Gulag-Schilderungen mit den deutschen Verbrechenslagern verwehrte. Immerhin war seit den 1960er Jahren mühsam die Beschreibung des deutschen Angriffskrieges und der deutschen Vernichtungslager ins öffentlichen Narrativ eingebracht worden.  Während der offizielle Osten beim „antifaschistischen“ Narrativ von 1936 stehen blieb,  auf die Erforschung der Vernichtungslager, der Vernichtung jüdischen Lebens in Osteuropa keinen Wert legte. Und auch im Westen wurde nur zaghaft selbst im Historikerstreit nach 1986 eine gewisse Dimension des Verstehens der sowjetischen Lager erreicht. Jorge Sempruns Forderung, vorgetragen bei den Römerberggesprächen 1986, verhallte praktisch ungehört: (Gegen den Versuch, Vergangenheit zu verbiegen, 1987, S. 49)
Wer aber vom Stalinismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.

Und 2018? Um heute Solschenizyn zu begegnen, muss man weite Wege gehen, nach den wenigen Seminaren an literaturwissenschaftlichen oder slawistischen Instituten suchen. Er ist ein Vergessener.  Denn was lernen deutsche Abiturienten über Solschenizyn, das sowjetische Lagersystem? Nichts. Das hat der Geschichtslehrer Christian Könne in einer Studie 2017 herausgefunden.
Dabei wäre gerade im Osten eine nachholende Beschäftigung mit Solschenizyn aufgegeben.  Nicht zuletzt „Stunde-Null-Linke“,  die seit 1989 fortwährend erklären, mit der DDR oder dem „realen Sozialismus“ rein gar nichts zu tun zu haben.  Gleichzeitig aber, bewusst oder in Unkenntnis des Stalinismus, an den Mythen marxistischer Geschichtsschreibung als Mitgliedskarte der gläubigen Legitimationsgemeinde festhalten.  Dabei neuerdings allzu gern Putin-offizielle Geschichtspolitik übernehmend.

In Russland selbst wird 2018 hochoffiziell der 100. Geburtstag des Dichters gefeiert.  Wie man hört mit einem neuen Museum in Moskau und ehrenden Veranstaltungen soll Solschenizyn endlich dem neuen russischen Nationalismus einverleibt werden.
Doch so einfach wollen das nicht alle im Lande mittragen. In Rostow am Don, wo Solschenizyn seine Kindheit und Studentenzeit verbracht hatte, wollen die heutigen Studenten und eingefleischte Linke noch immer kein Denkmal für den Verräter Solschenizyn.

*Weitere Sendungen zu Solschenizyn im ARD-Radioprogramm:
Spannend finde ich, dass die verschiedenen Autoren ganz verschiedene Sichtweisen zeigen und auch die z. T. gleichen Textstellen in verschiedenen Übersetzungen und Interpretationen vorzulegen

Volksfeind und Heiliger – Solschenizyns Rückkehr nach Russland (Mario Bandi)
WDR3,  8. Dezember 2018 (auch DLF/Deutschlandfunk Kultur und RBB am 7. Dezember 2018)

Kulturradio RBB, 1. Dezember 2018 (Dunja Welke)

Am Morgen vorgelesen. Die Sonnabend-Story: Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch
NDR Kultur,  8. Dezember 2018

1991: Fremdenangst im Osten als Hort linker/rechter Populisten

… angesichts der vielen Kommentare, die ich so über Chemnitz lese, poste ich hier noch einmal einen Artikel von mir aus „vorgänge“ von 1991.

Damals hatte ich mich (erst in Leipzig, dann als Student an der Berner Universität) mit der Frage beschäftigt, wie ein ziviler Alltag im Osten möglich sein könnte. Der rechte Terror war ja bereits sichtbar. Die Entwertung der osteuropäischen Dissidenten in vollem Gange.  Dass die einfache Ausdehnung der Bundesrepublik in Richtung Osten dort nur sehr langsam eine Alltagsdemokratie bringen würde oder gar zur Ablösung des allgegenwärtigen Fremdenhasses beitragen könnte, war (für mich) deutlich sichtbar.
Ich habe jetzt den alten Artikel von 1991 herausgewühlt: Vorgänge : Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, Jg. 30, H. 3 = 111, 1991, S. 58-68, ISSN: 0507-41:
hier der Artikel als pdf:
http://www.ssoar.info/ssoar/handle/document/46190

Schon noch lesbar, der Politologenjargon war wohl damals nicht zu verhindern.

Doch damit nicht genug. Im Sommer 1991 moderierte ich eine (der ersten?) Podiumsdiskussionen im Leipziger Rathaus zur Frage, wie jetzt mit dieser deutlich sichtbaren Ausländerfeindlichkeit umzugehen sei. Veranstaltet vom ersten Leipziger Ausländerbeauftragten und als Experten hatte ich gewonnen: Claus Leggewie (damals wohl noch kleiner Forscher in Bielefeld?). Doch das ist nicht das Ende der Geschichte. Beim Versuch, für die als Veranstaltungsreihe geplanten Gespräche (es wurde keine Reihe) die Friedrich-Ebert-Stiftung zu gewinnnen, erntete ich nur (freundlich ausgedrückt) Achselzucken. Die FES hatte damals gerade ein schickes Büro in Innenstadtlage am Dittrichring bezogen. Ich forsche nicht danach, wer damals der Büroleiter war, der diese schwere „Aufbau“-arbeit im Osten übernommen hatte. Der seine Überraschung nur schwer verbergen konnte, wohl dachte, will dieses Ossiwürmchen uns hier aufdrängen, welche Themen wir hier betreiben sollen. Letzter Satz ist natürlich reine Spekulation 😉

Und so gingen die Jahre dahin … Und jetzt sind wir wieder bei den hilflosen Chemnitz – Erklärungen angekommen, alle hätten dort eben ihre Kindheit in kollektivistischen Kindergärten verbracht, die fehlende christliche Erweckung im Osten würde eben ihre Folgen zeitigen (etc.),  und dem folgenden „Schock“ über die gut vernetzten Rechtsradikalen in Sachsen.  Dabei hätte man das alles wissen können: 1991, 1992, 2001, 2010, 2018…

50 Jahre danach: Sacharows „Reflexionen…“ (Размышления…) in der New York Times, 22. Juli 1968

 

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Andrej Sacharow (1921-1989), Aufnahme ca. 1970

Am 22. Juli 1968 erscheint Sacharows Selbstverständigungstext „Gedanken über Fortschritt, friedliche Koexistenz und geistige Freiheit“ auf den Seiten 14-15-16 der New York Times — zuerst am 6. 7. /13. 7. weniger beachtet in der niederländischen Zeitschift Het Parool.

Am 9. August (Übersetzung aus dem Englischen) in der ZEIT.  Ende 1968 erscheint der Text (übersetzt aus dem russischen Original) mit zahlreichen Artikeln u.a von Böll und einem eigenartigen Nachwort von Max Frisch im Diogenes-Verlag:  unter dem Titel „Wie ich mir die Zukunft vorstelle.“
KGB-Chef Jurij Andropow wußte von dem Text seit April 1968, am 22. Mai 1968 hatte er das ZK der KPdSU darüber informiert (Rubinstein/Gribanov. The KGB File of Andrei Sakharov, Yale Univ Press 2005). Wohl kaum jemand im sowjetischen Führungszirkel rechnete damit, dass das Manuspript so schnell in den Westen gelangen könnte, dass Sacharow es wagen könnte, sich „auf die andere Seite“ zu stellen.  Dabei war der Text in der Diktion und in den vorgeschlagenen politischen, sozialen und ökonomischen Schlussfolgerungen alles andere als „anti-sowjetisch“. Erst fünf Jahr später wendet sich Sacharow endgültig von Sowjetsozialismus ab.
Siehe mein Artikel dazu in osteuropa (2014).

Aus aktuellem Anlass, speziell auch dazu mein SWR2 Radio Feature (2012): Metamorphosen eines Kämpfers. Begegnungen mit Andrej Sacharow (nicht mehr auf den ARD Seiten) —  hier zu hören

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Titelseite der Schrift mit handschriftlichen Ergänzungen Sacharows in der Ausstellung des Sacharow-Archivs Moskau [Foto: Michael Hänel, 2012]

Europas Atomwaffen, SWR2 15. 5. 2018

 

Jetzt online, im Radio dazu am 15. 5. 2018 auf SWR2 (28min Radio Doku) — mit dem Textspezial der SWR Online Kollegen
Schneller in der ARD Mediathek

SWR2 Wissen Europas Atomwaffen – Brauchen wir eine neue Abschreckung? (Text SWR)

Russland bedroht Europa mit neuen nuklearen Mittelstreckenwaffen. Die Volksrepublik China rüstet atomar auf und hegt Weltmachtambitionen. Abrüstungsverträge, einst von Reagan und Gorbatschow vereinbart, werden nicht mehr eingehalten. Vorbei sind die Zeiten, wo Atomwaffen nur dafür da waren, den ganz großen Krieg zu verhindern. Die USA als ehemalige Schutzmacht Europas wenden sich ab und nehmen vor allem China und Ostasien in den Blick. Kann ein gemeinsames europäisches Arsenal französischer und britischer Nuklearwaffen, künftig gar mit Deutschlands Unterstützung, Abschreckung für Europa garantieren? Braucht Deutschland eine neue Sicherheitspolitik, die nach Jahrzehnten des Abwartens wieder militärische Macht und den Willen zur Verteidigung ins Zentrum der Außenpolitik stellt?

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Weiter (SWR, odysso, 1. 3. 2018) zum Umgang mit Atomwaffen nach der Wahl von Trump und den aktuellen Veränderungen in der russischen Aussenpolitik.  Als youtube und auf der ARD-Mediathek

Siehe auch meinen Film zum Themenfeld Modernisierung von Atomwaffen (2016)

Internetkontrolle in Russland und China (SWR2, 26. 6. 2017)

Manuskript (pdf) unten auf der Seite und Audio — hier

Im Mai 2012 – da war die Welt noch in Ordnung.  Russland ist Weltmeister – im Eishockey.  Präsident Putin ist wieder Präsident, wiedereingesetzt nach einer Wahl, die internationalen Kriterien einer geheimen und freien Wahl nicht entsprach. Und seine Anhänger jubeln.  Viele der Profiteure des Systems Putin bejubeln ihn im zumeist gleichgeschalteten Fernsehen.  So gesehen auf dem Kanal NTW am 20. Mai 2012 in einem Moskauer Hotel.  DSC_200512 NTW klein

Freie Medien werden nach und nach abgeschafft. Erst die freien Medien, dann das Internet unter Kontrolle gebracht, dann die unabhängige Justiz zerstört. So war der Plan.  Wer nicht zu ihnen gehört, gehört ins Gefängnis. Politische Oppositionelle, einfache Bürger, die ihre Fahne nicht in den Putin-Wind halten wollten, geraten in die Fänge der Überwachungsmaschine. Die kommt nicht mehr in Gestalt Pistolen schwingender Geheimdienstler daher.

Leise und gepflegt geht es zu, Anzug und IT – Kenntnisse sind gefragt, wenn die Sicherheit der Bürger vom Putin – Apparat geschützt werden soll.  Gerade im Internet.  Bis 2012/13 war das Netz das Sprachrohr der Putin-Kritiker.  So schreiben das die Geheimdienstexperten Andrej Soldatow und Irina Borogan in ihrer Geschichte des sowjetischen/später russischen Internets „The Red Web“ (2015), 2017 auch in einer russischen Ausgabe (Битва за рунет).  Der FSB, eine Art Mix aus geheimer Polizei und Staatsanwaltschaft, verlangte ab 2012 Zugang zu den persönlichen Daten der Nutzer.  Ebenso erging es großen Internetfirmen.  Vier – fünf Jahre später suchen die Machthaber und die russischen Internetfirmen den technologischen Schulterschluss mit den Partnern in China. Die chinesische, digitale Totalkontrolle ist das Vorbild. Man trifft sich, man kennt sich, man tauscht sich aus.

Doch bisher scheinen die Machthaber in Moskau von ihrem Ziel, Opposition und demokratisches Handeln in und über das Internet verhindern zu können, noch weit entfernt. Proteste werden organisiert und ihre Logik der „Internet-Souveränität“ (ursprünglich eine Idee der Chinesen) wird in Russland mit seinen ausgeprägt europäischen Traditionen nicht recht angenommen.   „Die Geburt des Politischen aus dem Geist der Propaganda“ [Übersetzung bei dekoder.org] nannte das kürzlich Andrej Archangelskij auf Carnegie.ru.  Das Politische ist mächtiger als die schwarz/weiß Propaganda der Lawrows oder Aschmanows. Und das, obwohl sich Außenminister Lawrow zur Münchner Sicherheitskonferenz so viel Mühe gab, sein Modell eines souveränen (sprich) aggressiv – nationalistischen Landes als dem Westen überlegenes „post-westliches“ System darzustellen.  Offenbar jedoch nicht ganz ohne Resonanz in Deutschland.  Allein im Osten sehen 31% (fast exakt der Wähleranteil von AfD und Linken dort) in Russland (sie meinen die dortige Regierung) als verlässlichen Partner an. Offenbar im Glauben: Hauptsache gegen liberale, westliche Werte wie die Freiheit des Internets, da tut man sich auch gern mit Putin oder den Zensoren in China zusammen. Dass es auch in anderen Parteien, insbesondere im Umfeld von Matthias Platzeck, mindestens an Solidarität mit Verfolgten des Putin-Regimes mangelt, war nicht das Thema unserer SWR2 Wissen Radio Dokumentation: Totale Kontrolle. Internet-Überwachung in Russland und China  (26. 6. 2017, 8:30 Uhr, SWR2).  Wir konzentrieren uns ganz auf das Werden und Wachsen der Überwachungsmechanismen in beiden Ländern. Dank an alle Beteiligten!  Mit Originaltönen von: Moskauer Protestierern am 26. März 2017, Wolf Biermann singt, Jurij Andropow spricht, über Andrej Sacharow wird gesprochen, Andrej Soldatow bei MEMORIAL, Ekatarina Schul’man spricht über die demokratische Seele in Russland auf einer Tagung des Goethe-Instituts, Gerd Koenen läßt uns an seinen Erfahrungen im Umgang mit kommunistischen Regimen teilhaben,  Igor Aschmanow stellt seine Logik des „post-westlichen“ Internets vor,  Der Berliner China-Experte Nabil Alsabah erklärt die chinesische Internetzensur, so auch der Informatiker Philipp Winter von der Princeton University und der chinesische Staats – und Parteichef Xi Jinping erklärt seine Internetkontoll- Regeln. Am Schluss kommen russische Schüler zu Wort, die einfach ihre politische Vision eines demokratischen Russland ausdrücken [auch hier bietet dekoder.org wertvolle Übersetzungen von Orginalquellen für die nicht-russischsprachige Welt an].

Atomwaffen: Neue Gefahr oder endlich Abrüstung

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Veranstaltung (Vortrag/Diskussion) am 6. 4. 2017, 19:00 Uhr im Aachener Frankenberger Viertel. Hier bei Facebook zur Ankündigung

Siehe auch meine Berichtstattung zum Themenfeld bei SWR/odysso (Taktische Atomwaffen) und SWR2 (Strategische/Nukleare Situation in Ostasien).
Im Herbst für SWR/odysso zu Nuklearwaffen in Europa im Schatten von Trump.

Hier das pdf (power point)

Macht der Raketen – Kriegsgefahr in Ostasien (SWR2, 23. Januar 2017)

Raketen gegen Raketen. Das üben sie Ende Januar drei Tage lang: die Aegis Kampfschiffe der US Navy, Südkoreas und Japans. Wie können sie sicher eine Interkontinentalrakete des nordkoreanischen Regimes kurz nach dem Start zerstören?  kim-icbms-klein
Dabei ist die Zusammenarbeit von Südkorea und Japan keine Selbstverständlichkeit. auch nicht mehr als 70 Jahre nach dem Krieg.  Selbst die Pläne Chinas, die Dominanz in Ostasien zu erlangen, lassen dort oftmals gerade an eine militärische Zusammenarbeit nicht denken.
Hier die Auflistung der aktuellen Rüstungsausgaben in Ostasien auf der Seite von Prof. Reinhard Zöllner/Uni Bonn (einem unserer Gesprächspartner für dieses Projekt).
Zu tief sind die Gräben der Vergangenheit. Und die aussenpolitische Rolle des unerfahrenen Präsidenten Trump im pazifischen Raum ist weiter unklar.

All das in einer aktuellen Radio-Dokumentation auf SWR2 am Montag dieser Woche. Audio — hier auch das Manuskript der Sendung

Die Dokumentation folgt meinen Arbeiten zur militärischen Sicherheitslage in Südkorea. Audio (2013)

Dank allen Beteiligten!

 

Darknet: Rettung für Andersdenkende (инакомыслящие) in Russland, odysso ARD/SWR — 1. Dezember 2016, 22:00 Uhr

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Heute (1. 12. 2016, 22 :00 Uhr) in odysso: Mein Stück zur Nutzung von Darknet – Software und Tor-Netzwerk im heutigen Russland.
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Hier auf der odysso – Sendungsseite und auf der ARD mediathek als Video

Danke ans Team beim Dreh des Experten Jens Kubieziel (Jena) in Leipzig und in Jena Ende Oktober.  Und Dank an den Buchautor Андрей Солдатов / Andrej Soldatow (Moskau) und Dank an Udo Lielischkies und Oksana Orlowa vom ARD Studio Moskau für die freundliche und unkomplizierte Zusammenarbeit.

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SDI, Reagan, Gorbatschow, Reykjavik und die Stasi (SWR2 Wissen, 7. November 2016)

Seit 2001 beschäftigt mich (immer wieder) die Frage, welche Rolle Hochtechnologien am Ende des Kalten Krieges spielten.  Nach und nach lichtete sich der Wald, hin zu einem 28min Radiofeature, das diese Woche auf SWR2 erstgesendet wurde (dort audio und das ausführliche Manuskript). Dank an alle Beteiligten.

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Worum geht es? Der 12. Oktober vor 30 Jahren. Gorbatschow und Reagan kurz vor der Abreise. Der Gipfel im isländischen Reykjavik scheint gescheitert. So viele Hoffnungen enttäuscht. Und dann der Durchbruch: atomare Abrüstung wird (doch) möglich. Reagans SDI – Progamm wird davon nicht berührt. Gorbatschow hatte vergeblich dessen Ende gefordert.
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Nach Reykjavik hatte Gorbatschow Rückendeckung für eine Kritik auch des Stalinismus in der Sowjetunion, soweit es ihm möglich war. Wochen später kann Andrej Sacharow sein Exil verlassen, nach Moskau zurückkehren. Die Abrüstungsvereinbarungen nach Reykjavik (ein Jahr später der INF Vertrag) waren so auch ein Meilenstein für die Befreiung ganz Osteuropas von politischer Unterdrückung und Unfreiheit 1989.
In einem Video vom Juni 2016 erinnert sich Michail Gorbatschow an die Zeit vor 30 Jahren (mit englischen Untertiteln)

Mehr dazu am 7. November 2016 auf SWR2, 8:30 Uhr (danach als mp3 in der ARD Mediathek)

SWR2 Wissen
SDI – ein Abwehrsystem im Kalten Krieg
Von Michael Hänel
SDI, die 1983 von Ronald Reagan verkündete „Strategische Verteidigungsinitiative“, war in der alten Bundesrepublik ein Sinnbild aggressiver Militärdoktrin der USA. Und ein Beispiel für eine weltfremde technologische Zielrichtung. Einen Verteidigungsschirm gegen anfliegende Atomraketen zu bauen, schien damals technologisch unmöglich. Technologisch aufholen ohne zu forschen: Das war das Ziel von KGB und Stasi. Die machten Jagd auf das Know-how, denn SDI war eines der größten Forschungsprojekte des Kalten Krieges. Währenddessen hatten europäische Linksterroristen führende
Wissenschaftler, die an SDI beteiligt waren, zu terroristischen Zielen erkoren, mit zahlreichen Anschlägen und Morden. 30 Jahre später nutzen westliche Armeen Technologien, die damals im Zuge von SDI entwickelt wurden.